Prinzip 01
Driven by purpose, not validation.
"People with passion can change the world for the better."
Ich war 19, als ich das erste Mal das Gefühl hatte, wirklich angekommen zu sein. Bei einem Start-up, das gerade Kapital von einem der bekanntesten Venture-Capital-Fonds der Welt eingesammelt hatte. In Deutschland. Das passiert nicht. Und doch war ich dabei.
Ich erinnere mich noch an dieses Gefühl: eine Mischung aus Ehrfurcht und Imposter Syndrom. Die Gründer müssen wissen, was sie tun. Sie wurden von den Besten ausgewählt. Wenn ich hier Zweifel habe, dann liegt das Problem bei mir – nicht bei ihnen.
Ich habe lang gebraucht, um zu sehen, was wirklich passierte. Nicht weil es nicht sichtbar war – sondern weil ich emotional zu nah dran war. Ich war investiert. Ich wollte, dass es gut ist. Ich wollte, dass meine Entscheidung, dort zu sein, die richtige war. Und dieses Wollen hat mein Sehen getrübt.
Was ich damals nicht verstand: Externe Validation ist ansteckend. Wenn ein renommierter Name investiert, beginnen alle so zu denken, als wäre damit alles bestätigt. Das Team. Die Richtung. Die Fähigkeiten der Gründer. Aber Kapital bestätigt nur eine einzige Sache – dass jemand gut darin ist, Investoren zu überzeugen. Das ist eine Fähigkeit. Sie ist nicht gleichzusetzen mit dem Wissen, wie man ein konkretes Problem löst. Wie man ein Team aufbaut.
Die Erkenntnis kam nicht in einem Moment. Sie kam langsam, über Monate, und erst durch Abstand.
Das Start-up existiert heute nicht mehr. Es wurde verkauft – nicht aus einer Position der Stärke, sondern weil es nicht anders ging. Ich bin froh, nicht mehr dabei zu sein. Ich bin auch dankbar. Denn diese Erfahrung hat mir etwas gegeben, das ich nicht aus einem Buch hätte lernen können.
Wenn du ein Unternehmen aufbaust, weil du einen bestimmten Investor haben willst – baust du für die falsche Person. Wenn du einen Job annimmst, nur weil der Firmenname gut klingt – arbeitest du für das falsche Ziel. Externe Validation fühlt sich wie ein Kompass an. Aber sie zeigt in keine konsistente Richtung. Sie zeigt nur, was andere gerade für wertvoll halten.
Purpose ist anders. Er ist intern. Er fragt nicht "was denken andere darüber?" – er fragt "warum tue ich das wirklich?" Wenn die Antwort darauf klar ist, wird alles andere einfacher. Du weißt, was zählt. Du weißt, was nicht zählt. Du musst nicht bei jedem Schritt fragen, ob er nach außen gut aussieht.
Mein Purpose ist gerade sehr konkret: Ich will verstehen, wie man Unternehmen aufbaut. Was die entscheidenden Faktoren sind. Wo ich starke Meinungen habe – und warum. Dieser Fokus ist mein Filter. Weil es zu dem beiträgt, was mir wirklich wichtig ist.
Purpose muss nicht immer klar sein. Er darf sich verändern. Aber er muss existieren. Ohne ihn baut man für andere. Das merkt man – spätestens dann, wenn es schwer wird.
"The two most important days in your life are the day you are born and the day you find out why."