Prinzip 02

Less, but deeper.

"Innovation is saying no to a thousand things."

Steve Jobs

Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich überall gleichzeitig war. Ich war in Initiativen, hatte mein Studium, wollte verschiedene Freundeskreise aufbauen, hatte mich bei mehr Dingen beworben als ich zählen konnte. Ich war beschäftigt – konstant, erschöpfend beschäftigt.

Trotzdem war ich unzufrieden. Nicht trotz der Fülle – sondern wegen ihr. Ich hatte keine Zeit um rauszuzoomen. Keine Zeit zu fragen, warum ich das alles mache. Ich hatte irgendwann die Ziele festgelegt und war dann im Execution Modus – ohne zu prüfen, ob ich mich überhaupt in die richtige Richtung bewegte.

Ich war nirgendwo wirklich gut. Nicht weil ich nicht gekonnt hätte – sondern weil echte Tiefe Zeit braucht. Zeit hatte ich für nichts einzelnes.

Der Wendepunkt kam, als ich anfing, anders zu denken. Nicht mehr "wie viel kann ich machen?" – sondern "worin will ich gut sein?" Ich habe angefangen, mich pro Semester auf ein Fach zu fokussieren. Alles andere zu depriorisieren. Bewusst und konsequent.

Ich wurde nicht nur besser – ich hatte auch mehr Spaß, weil ich endlich tief genug war, um die interessanten Probleme zu sehen. Tiefe ist interessant.

Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, was Fokus wirklich bedeutet. Es ist nicht Verzicht. Es ist Entscheidung. Die Entscheidung, etwas wirklich zu wollen – und alles andere bewusst loszulassen.

"Less, but better."

Dieter Rams

Die teuersten Fehler entstehen fast nie aus zu wenig Aktivität – sondern aus zu viel. Zu viele Features, zu viele Mitarbeiter, zu viele Richtungen gleichzeitig. Man wirft Geld und Menschen auf Probleme, statt sie wirklich zu lösen.

Weniger Leute, die tief denken, sind fast immer wertvoller als mehr Leute, die breit arbeiten. Und wer wirklich fokussiert ist, der kann paradoxerweise das Gesamtbild besser sehen. Nicht weil er alles macht, sondern weil er tief genug ist, um zu verstehen wie alles zusammenhängt.

Purpose hilft dabei enorm. Wenn klar ist, warum man etwas tut, wird Nein-sagen einfach. Nicht leicht – aber einfach. Man muss nicht jede Ablehnung rationalisieren. Man fragt nur: bringt das mich näher an das, was mir wichtig ist?

Purpose ist kein fester Punkt. Er verändert sich. Als Student hatte ich anderen Fokus als heute. In zehn Jahren werde ich wieder anders denken. Aber zu jedem Zeitpunkt sollte er existieren – klar genug, um als Filter zu funktionieren. Ohne ihn ist man wieder überall. Und damit nirgendwo.