Prinzip 03
Start it. Don't force it.
"Stop trying to steer the river."
Im zweiten Semester habe ich mich bei jedem Start-up beworben, das ich finden konnte. Ganz Deutschland. Ich wusste nicht, was ein gutes Start-up ausmacht. Ich hatte kaum Erfahrung. Aber ich war hungrig.
Was folgte, war eine frustrierende Phase. Absagen. Stille nach Interviews. Das Gefühl, nicht zu wissen, was ich eigentlich will – und trotzdem überall gleichzeitig anzuklopfen. Ich habe erzwungen. Ich wollte unbedingt irgendwo reinkommen. Irgendwo.
Das Problem war nicht der Hunger. Das Problem war die Richtungslosigkeit. Ich hatte noch keinen klaren Purpose, noch keine echte Meinung darüber, wo ich hinwollte. Und das spürt man – in Bewerbungen, in Gesprächen, in allem. Wenn man selbst nicht weiß, warum man irgendwo sein will, kann man das nicht überzeugend kommunizieren.
Irgendwann hat sich dann doch etwas ergeben. Nicht weil ich härter gedrückt hätte – sondern weil ich aufgehört hatte zu drücken. Die richtige Stelle kam nicht durch maximale Bewerbungsfrequenz. Sie kam, weil irgendwann der Moment stimmte. Ich war bereit, die Situation war richtig, und es hat sich einfach so angefühlt, als wäre es das.
Das war das erste Mal, dass ich dieses Prinzip gespürt habe. Nicht verstanden – gespürt. Den Unterschied zwischen erzwingen und entstehen lassen.
"You can't connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards."
Heute, ein paar Jahre später, ist es anders. Als ich zuletzt nach einem neuen Job geschaut habe, kannte ich bereits gute Start-ups. Ich wusste, wo es interessant ist. Wer nicht schnell antwortete, wen ich zweimal anschreiben musste, den habe ich ignoriert. Nicht aus Arroganz – sondern weil ich gelernt habe: wenn es sich von Anfang an zäh anfühlt, wird es nicht besser.
Das gilt genauso für Freundschaften. Ich mache den ersten Schritt. Normalerweise. Wenn dann nichts zurückkommt – kein Interesse, keine Energie, keine Gegenseitigkeit – dann lasse ich es. Nicht bitter, nicht enttäuscht. Einfach weiter.
Erzwingen funktioniert nicht. Nicht bei Jobs, nicht bei Menschen, nicht bei Ideen. Was erzwungen wird, hält nicht. Es entsteht unter Druck und kollabiert, sobald der Druck nachlässt. Was sich natürlich ergibt, hat eine andere Qualität. Es trägt sich selbst.
Das bedeutet nicht, passiv zu sein. Der erste Schritt muss kommen – von dir, mutig, ohne Garantie. Aber dann lässt du los. Du schaust, was zurückkommt. Du vertraust darauf, dass das, was bleibt, das Richtige ist.